Ein geistliches Wort zu der derzeitigen Situation im Mittleren Osten
von Pfr. Willem J.J. Glashouwer
ERSTER RING
Für Israel sind es beunruhigende Entwicklungen. Im Norden ist es, als ob die Hesbollah – mit dem Iran im Sog – den Libanon immer mehr in den Griff bekommt. Es ist gar nicht einmal so lange her, da stand der iranische Präsident Achmadinedschad im Libanon an der Nordgrenze Israels, wo er Ansprachen hielt, die an Klarheit nichts zu wünschen übrig ließen. In Ägypten läßt die Moslem Bruderschaft – welcher der jetzt ehemalige Präsident Mubarak viele Jahre feste den Daumen aufs Auge gedrückt hielt - immer klarer von sich hören und weiß somit rasant Einfluß zu gewinnen. Dies gilt auch Jordanien. 60% der Bevölkerung besteht dort aus palästinensischen Arabern und der Rest aus Beduinenstämmen, die ursprünglich aus Saudi-Arabien kommen. Das haschemitische Königshaus des Königs Abdullah stammt von ihnen ab. Die Moslem Bruderschaft nimmt aber auch hier unter der Bevölkerung schnell an Einfluß zu und fordert Änderungen.
Das sind für Israel keine guten Nachrichten. Wer hätte das gedacht? Es schließt sich der erste Ring um Israel. Wo doch gerade dort Israel ziemlich gute Nachbarschaft zu haben schien. Zwar kein herzlicher Frieden, dennoch aber ganz passable Beziehungen zu Ägypten, Jordanien und dem Libanon, mit seinem nicht geringen christlichen Bevölkerungsanteil. Die Beziehung zur Türkei, die ebenfalls ganz passabel schien, ist seit dem Zwischenfall mit der israelischen Stürmung des Schiffes, das nach Gaza unterwegs war, recht frostig geworden – was eigentlich noch untertrieben ist. So auf einmal, von einem Tag zum andern, kann offenbar die Lage in Nahost sich ändern. Was in Tunesien angefangen, schlägt wie eine Flutwelle über immer mehr arabische Länder und Staaten. Es ist noch nicht klar, wo es enden wird und welche radikalen Folgen es haben wird.
Israel wird immer mehr allein gelassen. Ringsum Feinde, nicht nur von außen her sondern in zunehmendem Maße auch von innen heraus. Schwerer Druck um das an sich schon so kleine Land – noch kleiner als die Niederlande – in zwei Teile zu spalten und einen palästinensischen Staat zu genehmigen, dessen Hauptstadt der Ostteil Jerusalems sein soll. „Wenn ihr aber die Bewohner des Landes nicht vor euch her vertreibt, so werden euch die, die ihr übriglaßt, zu Dornen in euren Augen werden und zu Stacheln in euren Seiten und werden euch bedrängen in dem Lande, in dem ihr wohnt“ [4. Mose 33,55]. Wenn man die Entwicklungen in der Welt aus prophetischer Perspektive betrachten möchte, so sollte man auf der Weltkarte seine Füße auf Jerusalem, in Israel, stellen und von dort aus das Geschehen in der Welt verfolgen. Zeitung und Bibel nebeneinander. Die Geschichte von Mensch und Welt dreht sich nicht um New York, Washington, London, Moskau, Beijing oder welche Metropole auch immer. Es geht um Jerusalem, die Stadt des Großen Königs, Matthäus 5,35. Um Israel. Weil der Allerhöchste damit begonnen hat Sein Volk ins Gelobte Land zurückzuführen. Und zwar im Hinblick auf das Kommen des Reiches, das Kommen des Königs dieses Reiches.
Wenn man in den Medien die Kommentare zu diesen neuen stürmischen Entwicklungen in Nahost verfolgt, so ist es bemerkenswert, daß ‚Demokratie’ das Zauberwort zu sein scheint. Solange es sich um ‚demokratische’ Änderungen handelt, scheint alles in Butter. Demokratie ist das Ideal. Dem Volk die Macht. Das griechische Wort ‚demos-kratein’ bedeutet buchstäblich: das Volk regiert. Es ist das gleiche Wort wie ‚laos-dikein’: dem Volk die Macht, das Volk betimmt was gut oder böse ist. Die letzte der sieben christlichen Gemeinden, die das Buch Offenbarung erwähnt, ist die Gemeinde von Laodizea. Eine ‚demokratische’ Kirche/Gemeinde, die offensichtlich genau ins politische Klima der Endzeit hineinpaßt.
Demokratische Entwicklungen gewährleisten aber niemals Sicherheit und Stabilität. Auf demokratischem Wege kam einst Hitler an die Macht. Wo das hingeführt hat, ist uns allen ja bekannt, wie sehr auch die Leugnung des Holocaust im Vormarsch ist – besonders in der islamischen Welt. Das demokratische Griechenland mit seinem griechischen Hellenismus hatte jemals schon einen heftigen Zusammenstoß mit dem Gott Israels. Das war beim Aufstand der Makkabäer 175 – 163 vor Christus. Alljährlich wird am Chanukkafest dieses Ereignisses immer noch gedacht.
Viele in Israel halten den Atem an. Etwa ein erster Ring von Ländern, der sich gegen sie richtet? Ein zweiter Ring um diesen herum, der das gleiche tut? Wenn man die Namen der alten Völker um Israel in Psalm 83 und Hesekiel 38-39 daneben legt, scheint in unsern Tagen eine Wiederbelebung der alten Feinde Israels unter anderen Namen – den Namen der modernen arabischen Staaten sowie der Republiken der ehemaligen Sowjetunion – überdeutlich zu sein. Derzeit erweisen sich all diese Völker/Staaten/Nationen in zunehmendem Maße als islamisch, wobei ein ansteigender Hang zum Extremismus unverkennbar ist. Vor kurzem – am 7. Februar 2011 - hat der israelische Premier Netanyahu auf einer Konferenz noch gewarnt vor dem Drang sowohl bei sunnitischen als bei schiitischen Moslems dem Kalifat neues Leben einhauchen zu wollen. Das Kalifat, das 1924 von Kemal Atatürk abgeschafft wurde, aber viele Jahrhunderte lang Sitz des großislamischen ottomanischen Reiches war, dessen Zentrum Istanbul war.
Israel geht einen einsamen Weg. Es ist ein harter geistlicher Kampf im Gange zwischen dem Gott Israels, dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus und allen anderen (Ab)Göttern dieser Welt. Er sagt von Israel: das Land ist mein (3. Mose 25,23). Mit ewigen Bündnissen hat Er sich mit Israel verbündet (Psalm 105,7-11). Er sagt von Jerusalem: daselbst soll Mein Name wohnen (5. Mose 12,13-18; 16,5-6; Psalm 132,13-14. Für immer (Hesekiel 43,7).
Darum darf Israel sich unter dem Schirm des Höchsten gestärkt wissen. Auch wir. Wie es heißt in Psalm 62: „Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Denn Er ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz, daß ich gewiß nicht fallen werde. Wie lange stellt ihr alle einem nach, wollt alle ihn morden?
Pfr. Willem J.J. Glashouwer
[Übersetzung: Heinz Volkert]
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