Gottes ewiger Bund mit Seinem Volk
„Er, der Herr, ist unser Gott. Seine Herrschaft umgreift die Erde.
Ewig denkt er an seinen Bund, an das Wort, das er gegeben hat für tausend Geschlechter,
an den Bund, den er mit Abraham geschlossen, an den Eid, den er Isaak geschworen hat.
Er bestimmte ihn als Satzung für Jakob, als ewigen Bund für Israel.
Er sprach: Dir will ich Kanaan geben, das Land, das dir als Erbe bestimmt ist.“ (Ps. 105, 7-11)
Das sind beeindruckende Worte. Der ewige Gott bindet sich mit einem ewigen Bund an Abraham, Isaak, Jakob und an ihre Geschlechter, an Israel. Der Herr schwört bei sich selbst. Er legt einen feierlichen Eid ab. „So wahr mir Gott helfe“ sagen wir, wenn wir einen Eid ablegen müssen. Manchmal mit einer Hand auf der Bibel und drei Fingern der anderen Hand in der Luft, zum Himmel gehoben. Einen Eid schwören. Feierlicher kann man keine Erklärung abgeben, und auf Meineid steht eine schwere Strafe. Der Herr kann bei niemanden höher als bei sich selbst schwören, denn er ist der Höchste.
„Ich habe bei mir selbst geschworen, und mein Mund hat die Wahrheit gesprochen, es ist ein unwiderrufliches Wort ...“ sagt Gott in Jesaja 45, 23. „ Hört ihr aber nicht auf diese Worte, so schwöre ich bei mir selbst – Spruch des Herrn (zu Jeremia): Zum Trümmerhaufen wird dieser Palast (des Königs von Juda).“ (Jeremia 22, 5)
In Psalm 89, 36 spricht der Herr: „Eines hab’ ich geschworen, so wahr ich heilig bin, und niemals werde ich David belügen ...“ Gott schwört, und es ist die absolute Wahrheit, die er spricht. So hat er Abraham ein Versprechen gegeben, ihm einen Eid geleistet (1. Mose 12, 1-9; 1. Mose 17, 4-8) und Isaak (1. Mose 26, 2-5), sowie Jakob (1. Mose 28, 13-15 ; 1. Mose 35, 9-12) und es für Israel zum ewigen Bund gemacht als er sagte: „Dir will ich Kanaan geben, das Land, das dir als Erbe bestimmt ist.“
Wie lange dauert ewig? Dauerte es bis Jesus Christus auf die Erde gekommen ist, und hörte es dann auf? Als der grössere Teil des jüdischen Volkes schliesslich „nein“ zu Jesus sagte und behauptete: „Wir wollen nicht, dass dieser Mann unser König wird“ (Lukas 19, 14), war das das jähe Ende des ewigen Bundes?
Nein, ewig heisst ewig. Immerwährend.
Was war der Inhalt des teuren Eides, den Gott bei sich selbst geschworen hatte? „ Dir will ich Kanaan geben.“ Das sagte Gott zu Abraham in 1. Mose 12, 1-3 und wiederholte es zu Isaak und Jakob und bei zahllosen anderen Gelegenheiten. „... denn das Land gehört mir ...“, sagt Gott (3. Mose 25, 23) und ich gebe es euch (Israel).
War das Land unbewohnt als der Herr es Abraham versprach? Nein, es war von Kenitern, Kenasitern, Kadmonitern, Hetitern, Perisitern, Rafaitern, Amoritern, Kanaanitern, Girgaschitern, Hiwitern und Jebusitern bewohnt (1. Mose 15, 13-21; 5. Mose 7). Und doch gibt Gott das Land dem Volke Israel. Sorgt Gott selbst dafür, dass die anderen Völker das Land freiwillig verlassen, ehe das Volk Israel es in Besitz nehmen wird? Nein, Israel selbst soll das verheissene Land erobern. Um das zu erreichen, muss Josua, der Nachfolger Mose, unter dessen Führung das Volk Israel in Kanaan einziehen wird nachdem es 40 Jahre in der Wüste umhergezogen ist, sehr stark und mutig sein. Das wird ihm und dem Volk viele Male mitgeteilt (5.Mose 31, 1-8, 23 und Josua 1, 1-9). „Jeden Ort, den euer Fuss betreten wird, gebe ich euch, wie ich es Mose versprochen habe.“ (Josua 1, 3) Sie müssen fest im Glauben sein und sich an Gottes Weisungen halten. Das Land fällt ihnen nicht in den Schoss, sie müssen es selber einnehmen.
Warum wurde das Land Kanaan den Völkern, die da wohnten, weggenommen? Ihre Schuld hatte das volle Mass erreicht (1. Mose 15, 16 und 5. Mose 9, 3-6). Gottes Urteil richtet die Völker. Manchmal darf das Volk Israel niemanden am Leben lassen, manchmal nicht einmal die materiellen Dinge als Beute mitnehmen, wie im Falle Jerichos, wo nur das Gold, Silber und die Geräte aus Bronze und Eisen in den Schatz des Herrn kommen dürfen (Josua 6, 17-19). Achan, der etwas von dem nahm, das dem Untergang geweiht worden war, ist die Ursache dafür, das Israel bei der Eroberung von Ai in erster Instanz eine grosse Niederlage erleidet (Josua 7, 1-5). Erst wenn die Familie Achans (die offensichtlich im Diebstahl verwickelt war) getötet wird (Josua 7, 6-26), kann Israel Ai erobern (Josua 8, 1-29).
So wie Gottes Urteil die Ungerechtigkeit der Völker Kanaans trifft, genauso trifft es auch die Ungerechtigkeit Israels. Mose sagte schon: „Wenn du nicht auf alle Worte dieser Weisung, die in dieser Urkunde aufgezeichnet sind, achtest und sie hältst, aus Furcht vor diesem herrlichen und furchterregenden Namen, vor Jahwe, deinem Gott, wird der Herr die Schläge, die er dir und deinen Nachkommen versetzt, über alles Gewohnte hinaus steigern zu gewaltigen und hartnäckigen Schlägen ... So wie der Herr seine Freude daran hatte, euch Gutes zu tun und euch zahlreich zu machen, so wird der Herr seine Freude daran haben, euch auszutilgen und euch zu vernichten. Ihr werdet aus dem Land, in das du nun hineinziehst, um es in Besitz zu nehmen, herausgerissen werden. Der Herr wird dich unter alle Völker verstreuen, vom einen Ende der Erde bis zum anderen Ende der Erde.“ (5. Mose 28, 58- 68; 11, 22-32; 12, 29-32 und 8, 19-20)
So geschah es oft in der Geschichte Israels. Die zehn Stämme Israels wurden in die Verbannung nach Assur geführt (2 Könige 17, 20-23) und die zwei Stämme von Juda in die Babylonische Verbannung (2 Könige 25, 8-12). Ein Teil bleibt zurück im Land Juda (2 Könige 25, 22), und nach siebzig Jahren kehrt ein Teil der in Babylon wohnhaften Juden nach Israel zurück (Esra 1 und 2). „Die ganze Volksgemeinde zählte insgesamt 42 360 Personen.“ (Esra 2, 64) Es bleiben aber grosse jüdische Gemeinschaften in der „Diaspora“ (Zerstreuung). Nach der Zeit der Babylonischen Verbannung werden Jerusalem und der Tempel wiederaufgebaut, und bestehen ein paar Jahrhunderte lang in relativer Unabhängigkeit. Wenn letztendlich die Römer das Gebiet erobert haben, werden erneut der Tempel und die Stadt Jerusalem verwüstet und wird das Volk wieder in die Verbannung geführt. Diesmal weltweit, wie Mose es vorhergesagt hatte (5. Mose 28, 64).
Ist damit die Rechtskräftigkeit des Bundes verloren gegangen, den Gott mit einem teuren Eid Abraham, Isaak und Jakob geschworen hat? Jahrhundertelang behauptete die Kirche: Ja!
Aber das ist nicht wahr. Wenn Gott einen ewigen Bund schliesst, ist es ein ewiger Bund. Man kann sich auf ihn verlassen. An vielen Stellen im Alten Testament wird der teure Eid genannt, den Gott geschworen hat und sein Versprechen, mit dem er sich verpflichtet, das verheissene Land Kanaan dem Volke Israel zu geben. (zB. 2. Mose 6, 7 ; 2. Mose 13, 5 und 11; 2. Mose 32, 13 und 2. Mose 33, 1; 4. Mose 14, 30; 5. Mose 1, 8; 5. Mose 1, 34-35 ; 5. Mose 6, 10(13!) 5. Mose 7, 8 und 13; 5. Mose 8, 18; 5. Mose 9, 5; 5. Mose 10, 11; 5. Mose 11, 9 und 21; 5. Mose 19, 8; 5. Mose 26, 3; 5. Mose 28, 11; 5. Mose 30, 20; 5. Mose 31, 7; Josua 1, 6 und Josua 21, 43-45). Darauf darf Israel Anspruch erheben!
Es wäre ein Segen für die Christenheit und die Kirchen weltweit – und für Israel! – wenn sie die volle Verantwortung auf sich nehmen würden, für das, was der Herr in seinem Wort sagt.
Was wir Menschen, Theologen, Kirchenleitungen oder sogar die Synoden behaupten, kann manchmal interessant oder einleuchtend sein – oder auch nicht. Doch was Gott in seinem Wort sagt, ist entscheidend. Eines Tages wird er uns alle dafür zur Verantwortung ziehen.
Pfarrer Willem J.J. Glashouwer